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Grundlegende Gedanken zum „Spirituellen Heilen“


       
   
Gedanken zum „Spirituellen Heilen"
Interview mit Dominik Thali
Interview mit Franziska Notter
 
 
   
   


Gedanken zum „Spirituellen Heilen"

Der folgende von mir verfasste Artikel ist zu finden im Buch: "Wie Jesus heilen", Herausgeber Dr. Harald Wiesendanger,
S. 135-138

Wenn ich vom Heilen im spirituellen Sinn spreche, dann geht es mir um die zentrale Grunderfahrung des Menschen, dass er mehr ist als die Summe physikalisch-biologischer Abläufe, dass er mehr ist als körperliche Vitalität und Gesundheit. Schon die erste Seite der Bibel stellt deutlich heraus, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen wurde und dass es zum Wesen des Menschen gehört, Gott ähnlich zu sein (Gen 1,26). Das Bewusstwerden dieser Gottähnlichkeit, dieser einzigartigen Grösse und Würde gehört wesentlich zur Heilung, Versöhnung, Entfaltung und Verwirklichung des Menschen. Dies geschieht durch die vertrauensvolle Offenheit für Gottes Gegenwart und die bedingungslose, liebende Hingabe an IHN. Jesus Christus hat diese Offenheit und Hingabe ganz verkörpert. In seiner Nähe und Gegenwart erfuhren darum die Menschen zu seiner Zeit (wie auch heute) die heilende und befreiende Kraft der Liebe Gottes, das Wirken des Hl. Geistes. Darum bezeichnete ihn die Hl. Hildegard „den grossen Arzt – magnus medicus – für alle Krankheiten“. Denn Gottes Liebe ist die schöpferische Kraft, die aufrichtet, heilt, versöhnt und zur ursprünglichen Ganzheit befreit. Die englische Sprache gibt dafür ein eindrückliches Zeugnis. Die Wörter „heal“ (gesund, heil), „whole“ (ganz) und „holy“ (heilig) haben die gemeinsame Stammwurzel „wholeness“ (Ganzheit). Ebenfalls in der griechischen Sprache kann man diese innere Verbindung von Heil, Ganzheit und Heiligkeit gut erkennen. Das Wort Therapie (therapeuein) hat in seiner ursprünglichen Bedeutung nicht nur den Sinn von körperlichem Heilen, sondern auch den Sinn von Anbetung, Verehrung. Jede Heilung im spirituellen Sinn setzt daher voraus, dass der Mensch nicht nur in seiner körperlichen Verfassung gesehen wird, sondern immer auch, ja entscheidend, in seiner Beziehung zu Gott, zum Göttlichen, zur ursprünglichen Fülle des Lebens, zur Quelle der Heilung.

Ein indischer Weisheitslehrer hat diese Grunderfahrung in Bezug auf die Krankheit folgendermassen ausgedrückt: „Ein Mensch ist krank: Das bedeutet, er hat die Fähigkeit verloren, sich selbst zu heilen. Er ist sich seiner eigenen Quelle der Heilung nicht mehr bewusst.“ Sich der eigenen Quelle der Heilung bewusst werden – was heisst das konkret und was für Schritte braucht es, um zu dieser Quelle zu finden? Krankheiten, seelische oder körperliche Leiden drücken zunächst einmal aus, dass der Fluss der Lebensenergien gestört ist. Diese Störungen manifestieren sich in sog. energetischen Blockaden, vor allem in den Hauptzentren der Lebensenergien. Durch eine innere (sensitive, hellsichtige) Wahrnehmung versuche ich in einem ersten Schritt diese Blockaden zu lokalisieren und entsprechend die Hände aufzulegen. Ich lege solange die Hände auf, bis die Lebensenergien zu fliessen beginnen und ein energetischer Ausgleich stattfindet. Das erneute Fliessen der Lebensenergien

wird meistens als Wärme (Hitze) oder als Kälte (Frösteln), Kribbeln oder als erleichterndes, entspannendes oder lösendes Wohlgefühl spürbar. Einige haben auch visuelle Eindrücke, wie Farben oder Bilder. Eine Frau schrieb mir einmal: „Unmittelbar nach dem Handauflegen war ich total durchlässig. Ich habe mich wunderbar gefühlt.“ Bei starken Blockaden braucht es oft mehrere Behandlungen, bis solche Gefühle der „Lösung“ wahrgenommen werden. Es kann auch sein, dass überhaupt nichts oder nur wenig wahrgenommen wird und dass aber trotzdem eine Heilwirkung eintritt. Ebenfalls ist es möglich, dass zunächst eine Verstärkung der Beschwerden oder Schmerzen eintritt (Erstverschlimmerung).

Durch das Fliessen der Lebensenergien (Lebensstrom als Heilsstrom) geschieht ein vertieftes Bewusstwerden der „Innenseite“ des Menschen, eine stärkere Wahrnehmung für die Tiefendimension des menschlichen Lebens. Dies zeigt sich durch eine grössere und intensivere Ruhe und Sammlung, durch ein stärkeres Selbstbewusstsein, durch eine neue, oft unerwartete Offenheit für die Gegenwart Gottes und sein schöpferisches und heilendes Wirken. Ich erlebe es oft, dass viele, denen ich die Hände auflege, tiefe spirituelle Erfahrungen machen und dies letztendlich als wichtiger und wesentlicher betrachten als die körperliche Heilung. Durch diese vertiefte Bewusstwerdung wird der Mensch auch schmerzlich mit den Hindernissen, mit den Schattenseiten, mit den verdrängten und verkümmerten Lebensimpulsen auf diesem Heilungs- und Heilsweg konfrontiert. Doch nur wenn diese Verdrängungen und Illusionen durchschaut und durchbrochen werden, kann Verwandlung und Heilung geschehen.

Welche Rolle nimmt der „Heiler“ in diesem Heilungsvorgang oder Heilungsprozess ein? Worin besteht sein Beitrag, die Quelle der Heilung bewusst zu machen? Klarer und besser könnte ich es nicht ausdrücken, wie der vorhin zitierte indische Weisheitslehrer: „Heiler zu sein, bedeutet im Grunde, nicht zu sein. Je weniger du bist, um so besser kann Heilung geschehen. Je mehr du bist, um so mehr ist der Kanal blockiert. Gott, oder die Totalität, oder wie man es nennen mag, ist der Heiler. Das Ganze ist der Heiler. Ein Kranker ist jemand, der zwischen sich und dem Ganzen Blockaden entwickelt hat, so dass die Verbindung unterbrochen ist. Die Funktion des Heilers besteht darin, für den Kranken die Verbindung wiederherzustellen. Aber wenn ich sage, die Funktion des Heilers besteht darin, die Verbindung wiederherzustellen, meine ich nicht, dass der Heiler etwas tun muss. Der Heiler ist nur eine Funktion. Der Handelnde ist Gott, ist das Ganze. (...) Es ist nicht ein Frage des Know-hows, es ist eine tiefgehende Frage der Liebe.“

„Geh mit grosser Demut vor! Hab tiefe Ehrfurcht vor dem Patienten, und wenn du ihn behandelst, werde zu einem Kanal für die göttliche Energie.“ „Gib Gott Raum, und mit tiefer Andacht überlasse es Gott, durch dich hindurchzufliessen und den Patienten zu erreichen.“

Aus dieser Sicht wird auch deutlich, welchen Stellenwert das Gebet bei der Handauflegung einnimmt. Wenn ich die Hände auflege und bete, dann öffne ich mich vertrauensvoll Gott, dem eigentlichen Heiler, und übergebe mich und den Heilungssuchenden ihm und seinem Wirken. Im Gebet mache ich mich somit zum Werkzeug seines Geistes, dem Heilsstrom seiner Kraft und Liebe. Das Gebet ist für mich die Voraussetzung jeder echten und umfassenden Heilung. Wenn ich beim Handauflegen bete, dann heisst das für mich immer auch, dass ich mich bewusst mit Jesus Christus verbinde und mich ganz in seine Gegenwart hineingebe. In Jesus Christus hat Gott uns seine unermessliche Fülle offenbart und sichtbar gemacht, zum Heil und zur Heilung jedes Menschen. In ihm finden wir unser ursprüngliches Gesicht, die Erfüllung unserer tiefsten Sehnsucht. Wie der begnadete Bauer und Laie Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756-1832) im 19. Jahrhundert im „Namen Jesu“ Tausende heilte, so ist auch für mich das Heilen im Namen Jesu das zentrale Programm. „In meinem Namen werden die Kranken gesund werden, denen sie die Hände auflegen.“ (Mk 16, 17f) Den Heilungs-Dienst erfahre ich auch als etwas, das tief mit meiner priesterlichen Sendung zu tun hat. Der Wesenskern priesterlicher Sendung liegt ja darin, im Namen Jesu zu handeln (agere in persona Christi). Der Priester vergegenwärtigt in seinem sakramentalen Handeln, dass Jesus Christus der wahre Heiler, der Erlöser und Befreier, die reinigende, versöhnende, heilende und erneuernde Quelle ist.

Wenn ich den Begriff „Spirituelles Heilen“ verwende, dann betone ich mit diesem Ausdruck, dass der Ursprung der Heilung, der Handelnde im Heilungsvorgang nur Gott allein ist. Gott, der uns in und durch Jesus Christus seine ganze Heils- und Segensfülle schenkt.

Heilen ist für mich daher auch eine Form von geistlicher Begleitung. Denn jeder echte Heilungsweg ist immer Rückkehr zum göttlichen Ursprung, zum Wesenskern, zur Ganzheit, ja zur zentralen Erfahrung, dass „Christus alles in allem ist“ (Kol 3,11) ist.


Nun zu einer Frage, die viele beschäftigt. Welche Bedeutung haben denn Krankheiten, körperliche Gebrechen und Schwächen? Grundsätzlich gilt für mich die Ueberzeugung, dass der Mensch als Abbild Gottes in seinem Wesen ganz und heil ist, ob er nun körperlich gesund oder krank ist. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ (Gen 1,31). Es gehört daher zur Aufgabe und Verantwortung jedes Menschen, zurückzufinden zu seiner ursprünglichen Ganzheit. Dieser Weg ist grundsätzlich für jeden Menschen offen und er kann auch ein Weg zu körperlicher Heilung sein, muss es aber nicht. Denn wir müssen uns immer bewusst sein, dass diese ursprüngliche Ganzheit mehr ist als Gesundheit im engeren Sinn oder Abwesenheit von Krankheit. Diese ursprüngliche Ganzheit bedeutet ja unvergängliches Leben in Gott, so wie Christus als Auferstandener es uns offenbart hat. Krankheit, Schicksalsschläge oder harte Lebenssituationen können sogar zu einer spirituellen Erfahrung werden, indem sie uns herausfordern, nicht an der Oberfläche des Lebens stehen zu bleiben und zu verharren, sondern die tiefere Dimensionen des Lebens zu entdecken und anzunehmen. Wie viele Menschen sind durch Krankheiten oder Schicksalsschläge innerlich gewachsen und reifer geworden! Darum spricht die Hl. Hildegard von Bingen davon, dass Gott Krankheiten auferlegen kann als „heilträchtige Aufgabe“. Sie selber hat diese Dimension von Krankheit intensiv in ihrem Leben erfahren. Auch Paulus wusste um die geistliche Bedeutung von Krankheit, Schwäche und Not, wie wir im folgenden Abschnitt lesen können: „Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äusserer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in masslosem Uebermass ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken, denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“ (2 Kor 4,16-18).


Abschliessend noch zur Frage: Welche Krankheiten, Gebrechen oder Schwächen können durch das „Spirituelle Heilen“ geheilt oder gelindert werden? Grundsätzlich alle. „Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ (Lk 1,37) Nach meinen bisherigen Erfahrungen können aber vor allem körperliche oder seelische Krankheiten und Störungen, die durch familienbedingte oder lebensgeschichtliche Situationen oder Konflikte, die durch falsche Lebensweisen (körperlicher, mentaler oder spiritueller Art) oder die durch negative Lebensmuster (oft über Generationen hinweg) entstanden sind, mit oft erstaunlichem Erfolg behandelt werden.

Das „Spirituelle Heilen“ ist kein Ersatz für schulmedizinische Behandlungen und Therapien. Es gibt viele Krankheiten und Beschwerden, vor allem im akuten Stadium, die schulmedizinisch behandelt werden müssen. Ich sehe das „Spirituelle Heilen“ als komplementäre Form zur medizinischer Behandlung, d.h. in Ergänzung zur Schulmedizin, die für mich eine unverzichtbare Bedeutung hat. Ich erwarte auch von allen, die zu mir kommen und ein grosses Vertrauen ins „Spirituelle Heilen“ haben, dass sie ihre Krankheiten und Beschwerden grundsätzlich schulmedizinisch abklären und die entsprechenden notwendigen Behandlungen akzeptieren.


Beim „Spirituellen Heilen“ gibt es keine Erfolgsgarantie und kein Heiler kann sie geben. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, der letztendlich Gott allein bestimmt. Ich möchte hier aber nochmals betonen, und das ist meine tiefe Ueberzeugnung, dass jeder Mensch grundsätzlich körperliche oder seelische Heilung erfahren kann. Denn Heil und Heilung erwachsen aus der tiefen religiösen Grunderfahrung des Menschen. Doch oft geschieht „Heilung“ eben ganz anders, als man sich das vorgestellt hat. Heilung wird dann nicht so sehr auf der körperlichen Ebene erfahren als vielmehr auf der geistig-seelischen Ebene, indem der „Patient“ eine grössere Ruhe, einen tieferen Frieden und ein neues Ur-Vertrauen erfährt. „Heilen ist geradezu eine Erfahrung des Gebets, eine Erfahrung Gottes, eine Erfahrung der Liebe, des Ganzen.“ Ist Heilung in diesem Sinn nicht das grösste Geschenk, viel grösser als jede körperliche Heilung?


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Interview mit Dominik Thali, Hochdorf

Es wurde im Seetaler-Bote (7. Dezember 2006) und in verschiedenen Zeitschriften publiziert.

„Meine Heilertätigkeit ist Seelsorge pur“

Geschehen heute Wunder?
Roman Grüter: Es kommt darauf an, was man unter einem Wunder versteht. Für mich ist das ganze Leben ein Wunder.

Ich meine Wunder, wie sie die Evangelien beschreiben.
Spontanheilungen. Heilung ist für mich etwas Natürliches, Ursprüngliches – die Begleiterscheinung auf dem inneren Weg. Der Mensch ist in seinem Innersten immer schon heil, ganz, ja vollkommen. Heilung geschieht durch die Berührung mit diesem göttlichen Kern, die unsere Seele ist. Ein guter Heiler bemüht sich deshalb, in seinem Gegenüber diese Grunderfahrung zu wecken und zu fördern. Dabei kann unversehens ein Durchbruch stattfinden, eine ausserordentliche Heilung.

Haben Sie schon solche Durchbrüche erlebt?
Schon viele. An meinen Vorträgen begleitet mich hin und wieder ein Mann, der schwer psychisch krank war und frühzeitig pensioniert wurde. Der Mann kam ein Jahr lang regelmässig zu mir. In dieser Zeit lösten sich nach und nach seine Blockierungen und Angstzustände und er gewann neues Vertrauen ins Leben. Er hat nicht nur Heilung erfahren, sondern auch einen tieferen Sinn in seinem Leben.

Wie gehen Sie vor?
Das äussere Werkzeug sind meine Hände, die ich auflege. Ich versuche, einen Menschen in sein inneres Gleichgewicht zu bringen und dadurch in eine tiefere Verbindung zu seiner Seele. Spürt er dann in seiner Tiefe, wer er eigentlich ist, entwickelt er Selbstheilungskräfte. Jeder Mensch trägt die heilenden Kräfte in sich, die er braucht.

Haben Sie auch schon Heilungen von körperlichen Erkrankungen erlebt?
Ja. Eine Frau mit Leukämie etwa, die auf keine Chemotherapie ansprach und eine Knochenmarktransplantation erwog, kam ein halbes Jahr lang zu mir. Ihre Blutwerte verbesserten sich in dieser Zeit derart, dass sie auf die Transplantation verzichten konnte. Das war vor zwei Jahren. Die Frau hat inzwischen den Krebs überwunden.

Sind Sie ein Wunderheiler?
(lacht) Nein. Ich mag diesen Ausdruck nicht. Ich bewirke nichts, ich unterstütze nur durch meine Begabung, dass Selbstheilung geschehen kann.

Wie haben Sie Ihre Heilfähigkeit entdeckt?
Vor fünf Jahren hatte ich gesundheitliche Beschwerden, schulmedizinisch fand man aber die Ursache nicht heraus. Auf meiner Suche nach Hilfe stiess ich auf einen Naturheilarzt, der mir sagte, dass es nur ein Rezept gibt, das mir helfen kann - ich solle heilen. Ich hätte starke Kräfte, die aber nicht fliessen könnten, was sich in der Erkrankung ausdrücke. Der Zufall wollte es, dass ich in derselben Woche eine aussergewöhnlich hellsichtig begabte Frau kennen lernte, die sich im gleichen Sinn äusserte. Das war mir Anstoss genug.

Sie sind gewissermassen über Nacht zum Heiler geworden.
Eigentlich schon. Ich fing dann einfach an – und staunte, wie «es» von Anfang an unglaublich wirkte. Meine erste „Patientin“ war ein junges Mädchen, das seit Monaten wegen eines Schleudertraumas unter heftigen Schmerzen litt. Ich legte ihr zweimal die Hände auf, und innerhalb einer Woche verschwanden alle ihre Beschwerden. Darauf kamen immer mehr Menschen zu mir ins Pfarrhaus, die sich behandeln lassen wollten.

Woher nehmen Sie ihre Kraft?
Der Naturheilarzt sagte mir, ich bekäme alles, was ich brauche. Ich liess mich deshalb von innen heraus leiten. Von Beginn an erlebte ich ein ganz intensives Strömen durch meinen Körper. Ich stellte auch weiter fest: Man kann nicht heilen, ohne selbst Heilung zu erfahren. So geriet ich in einen eigenen Heilungsprozess, der mich in den ersten Jahren zeitweise ziemlich durchschüttelte.

Sie mögen den Begriff Heiler nicht.
Ja, aber ich habe noch keinen besseren gefunden. Ich mag den Begriff nicht, weil für mich letztlich die Selbstheilung, die innere Verbindung zur Seele im Zentrum steht und nicht ich als Heiler. Ich wecke und unterstütze nur den Heilungsprozess, der letztlich aber nicht von mir abhängt. Heilung ist nicht machbar. Ich bin zwar Heiler in dem Sinn, dass ich sehen kann, welche Blockierungen ein Mensch hat und dass ich eine Methode entwickelt habe, diese zu lösen, die Energien wieder fliessen zu lassen und dadurch einen Heilungsprozess anzuregen. Ich verstehe zudem meine Fähigkeit als natürliche Begabung, nicht etwa als unverhofftes Geschenk der Muttergottes. Denn meiner Meinung nach ist das Heilen jedem Menschen gegeben, wenn es auch unterschiedliche, ja ausserordentliche Begabungen gibt.

Sie heilen nicht. Wer dann?
Für mich persönlich ist es Gott, weil das Grundlegende in uns letztlich Gott ist. Jemand anderer würde vielleicht von göttlicher Energie oder universeller Schwingung reden. Das Heilen geschieht zwar durch mich, aber nicht durch meinen Willen. Wenn ich meine Hände auflege, falle ich in eine leichte Trance. Ich sehe mein Gegenüber jeweils in einem Licht, das ich als unglaubliche Kraft wahrnehme. Dieses Licht ist in jedem Menschen; es ist das, was ich als die spirituelle Dimension bezeichne: Die göttliche Seite des Menschen. Diese heilt, dieser will ich Raum geben.

Sie sagen, jedem Menschen sei das Heilen gegeben. Wie ist das zu verstehen?
Der Mensch sucht das Heil, und er trägt es auch in sich, in seiner Seele. Mit diesem innersten Leben in Verbindung zu kommen ist das Heilende. Darum ist jeder Mensch zum Heilen befähigt, wenn auch in unterschiedlichem Masse.

Ist Ihre Gabe an ihren Glauben gebunden? Anders gefragt: Kann auch ein Atheist Heiler sein?
Ja. Ich spreche bewusst von spirituellem Heilen, weil ich zwischen Spiritualität und Religiosität unterscheide. Ich glaube, jeder Mensch ist spirituell, ob er im engeren Sinn religiös ist oder nicht, denn die Grundfragen des Seins betreffen alle: Wer bin ich? Was ist wichtig in meinem Leben? Kein Mensch ist nur ein biologisches Produkt, wir sind auch geistige Wesen. Gerade durch eine Krankheit kann diese Dimension aufbrechen. Anders ausgedrückt: Ich glaube nicht, dass es wirklich Atheisten gibt. Der Mensch kann sich den Grundfragen des Lebens nicht entziehen. Wie er mit ihnen umgeht, ist hingegen sehr individuell. Die Antworten in der Religion zu suchen ist eine von vielen Möglichkeiten davon.

Weshalb ist der Heilungsauftrag, der sich aus dem Evangelium ableiten lässt, in der heutigen Kirche weitgehend verloren gegangen?
Sicher auch deshalb, weil die Kirche Jesus und sein Wirken lange als etwas Exklusives erachtet hat. Sie hat die Christuswirklichkeit nur auf ihn bezogen und damit zum Ausdruck gebracht, Wunder könne nur Jesus bewirken. Für mich jedoch lebt Christus in jedem Menschen, und jeder Mensch hat letztlich Zugang zu der Gotteserfahrung, wie sie Jesus gehabt hat. Und diese Erfahrung ist es, die heilt. Ich stelle fest, dass die Menschen offen sind dafür. Meine Seminarien, Kurse und Vorträge besuchen hunderte von Leuten.

Wie reagiert die katholische Kirche auf Ihre Tätigkeit als Heiler?
Gut. Selbst der Bischof. Und es schicken ja auch Priester Leute zu mir oder kommen selber. Oder Klöster rufen mich. Schauen Sie, was heisst denn «heil sein»? Es heisst, zu erfahren, dass die Wirklichkeit gut ist und der Mensch von Grund auf ebenso. Es heisst, diese Grunderfahrung anzunehmen und aus ihr zu leben. Nur so kann man etwas verändern.

Pflegen Sie Kontakte mit anderen Priestern, die heilen?
Nein, weil ich keine solchen Priester kenne. Ich frage mich auch: Es gibt so viele Menschen mit einer besonderen heilenden und spirituellen Kompetenz. Weshalb überlässt die Kirche dieses Feld vorab esoterischen Gruppen? An den Basler Psi-Tagen über das geistige Heilen, die jeweils im November stattfinden, bin ich als katholischer Pfarrer unter den tausenden Leuten ein Exot.

Sie sind hauptberuflich Pfarrer. Verbinden Sie ihre Heilertätigkeit und die Seelsorge?
Ich halte in Ruswil jeden Dienstagabend um 18.00 Uhr einen einfachen Gottesdienst, bei dem ich am Schluss den Heilungssegen erteile und allen Teilnehmenden, die wollen, die Hände auflege und sie mit gesegnetem Öl bekreuzige. Die Kirche ist jeweils voller als am Sonntag.

Sie sind in Ihrem Priester-Alltag auch Heiler.
Das lässt sich nicht trennen. Zum Beispiel besuche ich heute eine junge, krebskranke Frau, die ich durch Gebet und Handauflegen in ihrem Grundvertrauen und so auch in ihrem Lebensmut bestärke. Ein guter Seelsorger ist immer ein Heiler. Es ist für mich ein tiefes Erlebnis, im ursprünglichen Sinn des Wortes Seelsorger zu sein, mitzuhelfen, dass Menschen die Kräfte ihrer Seele entdecken. Dadurch können Schmerzen verschwinden oder Linderung tritt ein. Wer nur auf seiner körperlichen Ebene lebt, erfährt alles Körperliche, also auch Schmerz, oft sehr intensiv. Wer sich dagegen nach innen öffnet, kann erleben, wie der Schmerz abnimmt oder sich verändert. Ich weiss, das ist schwierig zu erklären und zu verstehen. Aber es ist für einen kranken Menschen eine heilende Grunderfahrung, sich mehr zu spüren als nur durch die Krankheit selbst, also seinen Körper.

Was erwarten Sie von den Menschen, die zu ihnen kommen?
Nichts. Sie sollen einfach Vertrauen haben. Glaube und Religion sind übrigens selten ein zentrales Gesprächsthema.

Es braucht keinen persönlichen Beitrag?
Nur zu vertrauen. Die meisten, die zu mir kommen, machen nicht selten und oft wider Erwarten intensive Erfahrungen. Es wird ihnen heiss, es kribbelt, Beschwerden verschwinden plötzlich, es öffnet sich innerlich «etwas». Wie gesagt: Ich heile nicht, ich helfe den Menschen nur, den Kontakt zu finden zu einer Seite in ihnen, die sie zuvor möglicherweise nicht wahrgenommen haben. Denn was sich durch den Körper ausdrückt, spiegelt immer die geistig-seelische Situation. Heilung geschieht aber nicht, indem man sich schnell die Hände auflegen lässt. Sondern sie beginnt, indem man sich auf einen Prozess einlässt, der einen auf seinen inneren Weg führt.

Mit welchen Anliegen kommen die Menschen zu Ihnen?
Mit allem, was Sie sich vorstellen können. Seit ich heile, erlebe ich Gespräche von einer Offenheit und Tiefe, wie es zuvor nicht oft der Fall war. Meine Heilertätigkeit ist im Grunde Seelsorge pur.

Gibt es Dinge, die Sie nicht tun?
Ja, hellsichtige Angaben. Ich messe diesen keinen grossen Wert zu. Eine Ausnahme mache ich aber beispielsweise, wenn jemanden die Angst quält, er habe Krebs. Auch wenn ich oft relativ sicher bin in meiner Wahrnehmung, gibt es letztlich keine absolute Sicherheit. Darum muss man mit solchen Angaben sehr vorsichtig umgehen. Hellsichtige Angaben ersetzen nie den Arztbesuch.

Wovon sind Sie in den Jahren Ihrer Heilertätigkeit geheilt worden?
Sicher von der kopflastigen Theologie. Ich erlebe meine Religiosität heute konkreter, persönlicher, erdiger, weil ich mich mehr am Jetzt ausrichte. Die gängigen institutionellen Fragen der Kirche – Stichwort Zölibat - haben für mich an Wert verloren. Das heisst nicht, dass ich sie nicht mehr als wichtig erachte. Aber ich will wirklich bei den Menschen sein. Die Kirche muss ihnen echte Antworten auf ihr Leben geben. Dafür bin ich wacher und sensibler geworden. Das heisst auch: Der Glaube ist für mich erfahrungsbezogener geworden.

Darin schwingt Kritik an der Kirche mit.
Nur was man erfahren kann im Leben, hat eine Bedeutung. Einen Grund für die grosse Krise der Kirche sehe ich darin, dass der Glaube oftmals eine Sache des Kopfes ist. Vielen Theologen mangelt es an spiritueller Kompetenz. Oder, anders ausgedrückt: An einer tief verankerten, lebendigen Glaubenserfahrung. Ich habe nicht zuletzt durch das Heilen ein stark spirituelles Glaubens- und Kirchenverständnis gewonnen. Und ein Christusverständnis, das weit über die Grenzen meiner Konfession und Religion reicht. Es baut auf einer Grunderfahrung von Leben, die uns alle verbindet.



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Interview mit Franziska Notter für die Zeitschrift „Zeichen der Liebe“
(Ausgabe Nr. 5, Oktober 2014 zum Thema „Heilen“)

Herr Grüter, Sie sind katholischer Priester und Heiler. Wann und warum haben Sie sich für den Beruf des Theologen entschieden?
Seit frühester Kindheit spürte ich den Wunsch Priester zu werden. Durch starke religiöse Erlebnisse als Kind wurde in mir die Sehnsucht geweckt, mein ganzes Leben auf das Religiöse, auf den Weg nach innen auszurichten. Der Priester, so wie ich ihn als Kind erlebte, war für mich das Bild eines Menschen, der sich ganz für das Heilige zur Verfügung stellt. Er war ein Berufener, der den Raum des Heiligen betreten und vermitteln durfte. Das hat in mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf als Priester?
Ich habe ja gesagt zu meiner Berufung als Priester, um Zeugnis abzulegen für Christus, dem wahren Licht des Lebens. Priester sein ist für mich kein Beruf, sondern Antwort auf einen Ruf Gottes, um die Menschen tiefer mit Christus, dem Quell des Lebens, zu verbinden. Der Ort dieser Antwort ist die Eucharistie, die Sakramente, die Verkündigung, die Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, das Dasein für die Menschen mit ihren Nöten und Auseinandersetzungen. Priester sein bedeutet für mich daher, auch nach 23 Jahre seit meiner Priesterweihe, nichts anderes als Hingabe an Christus, um sein Licht in die Welt zu tragen und durchlässig zu werden für seine verwandelnde und erlösende Kraft.

Wenden wir uns dem zweiten Beruf zu: Heiler. Sie nennen sich Spiritueller Heiler. Was genau ist das?
Ich möchte die Frage präzisieren: Was ist überhaupt ein Heiler? Vereinfacht gesagt ist er ein Mittler, ein Werkzeug oder, wie man es oft hört, ein Kanal. Der Heiler hat durch seine Begabung die Fähigkeit, eine Kraft zu vermitteln, die heilend wirkt, indem sie löst, ausgleicht, harmonisiert, und was entscheidend ist, mit dem inneren Menschen verbindet. Denn im Inneren des Menschen, in seinem göttlichen Grund, liegt die eigentliche Quelle der Heilung. Ich nenne mich spiritueller Heiler, weil die grundlegende Heilung immer ein Geschenk, eine Gnade ist. Oder anders gesagt: der wahre Heiler ist Gott allein. Der Heiler ist nur ein Vermittler. Wie und wann Heilung geschieht, ist letztendlich ein Geheimnis, das im Herzen Gottes begründet ist.

Möchten Sie uns erzählen, wie und wann Sie gespürt haben, Heilkräfte zu haben?
Eigentlich habe ich es nicht gespürt. Es wurde von einem Heilpraktiker entdeckt, den ich 2001 wegen gesundheitlichen Problemen aufsuchte. Er machte mir deutlich, dass mein Grundproblem darin besteht, dass ich eine Seite besitze, die ich völlig verdränge. Jetzt sei der Moment gekommen, dass ich diese verdrängte Seite beleben soll, indem ich den Menschen die Hände auflege. Dadurch heile ich mich auch selber. Ich wurde buchstäblich zur Heiltätigkeit gedrängt. Wie ich dann begann, Menschen die Hände aufzulegen, spürte ich schnell, welche Heilkräfte in mir schlummerten und aktiv werden konnten.

Darf ich fragen; wie fühlt sich das an, wenn man plötzlich eine solch starke und neue Fähigkeit an sich bemerkt?
Bevor mir meine Heilfähigkeit festgestellt wurde, habe ich mich damit überhaupt nicht auseinandergesetzt. Die ganze Thematik war mir bis zu diesem Zeitpunkt fremd. Ich habe eigentlich lange gebraucht, um diese Heilfähigkeit zu akzeptieren. Obwohl ich von Anfang an erstaunliche Erfahrungen gemacht habe, war es für mich nicht leicht, die verdrängte Seite anzunehmen und sie gleichsam zum Leben zu erwecken. Wahrscheinlich hing das mit meiner rationalen Art zusammen, die eben auch zu mir gehört. Eine grosse Hilfe war die Ermutigung, die ich von Bischof Kurt Koch erfahren habe.

Wie heilen Sie? Verwenden Sie noch irgendwelche Hilfsmittel, wie z.Bsp. ein Pendel?
Meine Heilungssitzungen sind geprägt durch Gespräch und Handauflegen. Um gezielt die Hände aufzulegen, verwende ich ein Pendel, das mir hilft, genau anzuzeigen, wo ich die Hände auflegen soll. Ich orientiere mich beim Handauflegen an den Energiezentren. Beim Handauflegen geht es vor allem darum den Energiefluss zu beleben, um so eine vertiefte Verbindung nach innen zu ermöglichen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Durch die Erfahrungen der letzten 13 Jahre konnte ich ein Wissen erwerben, das mir heute eine Sicherheit gibt, gezielt zu helfen. Das Wissen hilft mir auch, die grossartigen Möglichkeiten wie auch die Grenzen des spirituellen Heilens zu sehen.

Ich finde es wunderbar, einen Spirituellen Heiler und Priester kennen lernen zu dürfen. Zumal ich keinen anderen Priester kenne, der sich so nennt, obwohl sich früher die Priester jahrhundertelang auch um die Heilung des Körpers, nicht „nur“ um die Seele gekümmert haben. Warum ist dieses Heilen irgendwann verloren gegangen oder vergessen worden?
In der Neuzeit hat der Mensch die Ganzheit aus den Augen verloren. Das Wort Heil oder Ganzheit liegt vom Wortstamm her den Wörtern heilig und heilen zugrunde. Den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen, gehört wesentlich zum Spirituellen Heilen. Das schliesst die medizinische Behandlung nicht aus, vor allem dann nicht, wenn sie notwendig und gefordert ist. Aber auch ein Arzt ist letztendlich darauf angewiesen, dass die Selbstheilungskräfte wirken. Da kann das Spirituelle Heilen eine heilsame und wichtige Ergänzung sein. Könnten nicht auch die Kirchen darin eine besondere Aufgabe sehen?

Kümmert sich die heutige Kirche wirklich um die Seele des Menschen. Wie nebst dem Gebet?
Ich erlebe die Kirche immer mehr als Dienstleistungsorganisation, die viel Energie verwendet, um zu organisieren, zu planen, zu strukturieren und sich selber optimal zur Darstellung zu bringen. Das ist auch ein Grund, warum die Kirche an Kraft und Ausstrahlung verliert. Die Kirche, wenn sie Kirche sein soll, hat eine Bestimmung, nämlich Christus zu vergegenwärtigen und in der Verbindung mit ihm die göttliche Kraft und Liebe ausströmen zu lassen. Die Kirche sollte das Gewand Christi sein, damit durch die Berührung mit dem Gewand die göttliche Kraft, die heilt, stärkt, versöhnt, aufrichtet und tröstet, fliessen kann. Gebet ist für mich in diesem Sinn innere Verbindung mit Christus und daher immer Heilgebet, Erneuerung des ganzen Menschen. Kirche und Heilung sollten eigentlich Synonyme sein.

Auch Jesus hat Menschen geheilt. Er war den Menschen wohl auch gerade deswegen sehr nahe. Er hatte keine Berührungsängste. Wie sehen Sie das: Wird der Mensch heute in unserer Kirche noch gebührend in die Mitte gestellt? Ist die Kirche nicht etwas zu theologisiert und verkopft geworden?
Das Christentum ist eine Religion der Beziehung. Nicht die Ethik oder eine Religionslehre steht im Vordergrund, sondern das Gesicht und die Hände eines Menschen, der ganz von Gott her und auf Gott hin durchlässig war. Lassen wir uns von ihm anschauen und lassen wir uns von ihm berühren! Es ist ein heilender Blick. Es sind heilende Hände. Wenn wir ihn in die Mitte stellen, stellt er auch uns in die Mitte, die Gott selber ist. So einfach, aber wirkungsvoll ist das Christentum!
Was hat die Heilertätigkeit in Ihnen selbst ausgelöst, verändert?
Man kann nicht heilen, ohne selbst geheilt zu werden. Wenn ich die Hände auflegen, öffne ich den göttlichen Heilsstrom, der durch den Heilungssuchenden wie auch durch mich fliesst. Ich ging und gehe durch einen grossen Heilungs- und Wandlungsprozess. Ich bin dadurch innerlicher, stiller, wacher und geerdeter geworden.
Wer kommt zu Ihnen? Sind das Menschen mit körperlichen und seelischen Beschwerden?
Beim Spirituellen Heilen gibt es keine Beschränkungen. Was das Heilen sicher begünstigt, ist das Vertrauen zum Heiler und vor allem ein innerer Ruf oder ein Geführtwerden.

Warum wird der Mensch denn krank? Ist das nötig?
Krankheiten gehören zu unserem Leben. Sie zeigen uns an, wie brüchig und hinfällig unser Leben ist. Nicht der äussere Erfolg ist letztendlich entscheidend, sondern das Wachsen und Reifen im Herzen. Sind nicht viele Menschen, die durch Krankheit, Krisen und Schicksalsschläge geprüft wurden, zum wahren Leben erwacht?

Was genau heilen Sie im Menschen?
Wenn ich die Hände auflege, werden durch den Energiestrom, der durch mich hindurchfliesst, die Blockierungen gelöst, soweit dies möglich ist. Dadurch wird der Seele und dem Körper ermöglicht, Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dies kann folgende Reaktionen auslösen: Hitze, Wärme, Kribbeln, Müdigkeit, befreiende Gefühle, Farben, innere Bilder, Schmerzen (die meist wieder vergehen!), Trauer etc. Es kann in den folgenden Tagen auch zu sogenannten Erstverschlimmerungen kommen, wie man es von der Homöopathie her kennt. Es ist auch wichtig, über diese Reaktionen zu reden und sie, soweit es möglich ist, verständlich zu machen.

Wenn ich zu Ihnen komme, muss ich einen starken Glauben in mir tragen oder heilen Sie auch Menschen, die skeptisch dem Ganzen gegenüber sind?
Menschen, die skeptisch sind, kommen selten zu mir. Es braucht eine vertrauensvolle Bereitschaft. Wobei ich immer wieder die Feststellung mache, dass Menschen, die meiner Tätigkeit ablehnend gegenüberstehen, aber sich trotzdem zu einer Behandlung entschliessen, erstaunt und beindruckt sind, was die Heiltätigkeit in ihnen auslösen kann.
Ich bin da von früher geprägt, da besuchte meine Familie teure Reiki-Kurse und ich war immer skeptisch, weil ich fand, der Mensch heilt nicht selbst, das ist Gott, der durch den Menschen heilt, wie kann man dafür bezahlen. Liege ich da falsch?
Wenn das Heilen rein kommerziell betrieben wird, dann hat es immer einen negativen Beigeschmack. Ebenfalls wenn das Heilen wie eine machbare Methode propagiert und durch entsprechende Schulung angeboten wird. Zum erfolgreichen Heilen braucht es eine ausgeprägte und angeborene Begabung, die man entwickeln und fördern kann. Wenn ein Heiler teil- oder vollzeitlich die Heiltätigkeit ausübt, sollte er auch davon leben können. Sein Behandlungsansatz soll sich in einem angemessenen Rahmen bewegen und er sollte sich nicht bereichern. Wichtig ist auch die Feststellung, dass man die aufgewendete Zeit bezahlt und nicht das Heilen an sich.

Was würden Sie gerne in unserer katholischen Kirche wandeln oder heilen?
Ich muss gestehen, dass ich zurzeit etwas kirchenmüde bin, aber nicht glaubensmüde. Seit dem letzten Konzil hat die katholische Kirche viele äussere Veränderungen erfahren. Sicher auch notwendige Veränderungen. Aber durch die starke Anpassung der Kirche an die Welt und ihren Erwartungen verliert sie mehr und mehr ihre eigene Mitte. Christus wird zunehmend gesehen als ein ethischer Massstab, als ein Handlungsmodell, ohne eine gelebte innere Beziehung. Die Erneuerung der Kirche sehe ich aber nur in der persönlichen Hingabe an Christus, dem magnus medicus (Hildegard von Bingen). Wenn er als das wahre Haupt der Kirche im Herzen erfahren und gefeiert wird, heilt er nicht nur die Menschen, sondern auch die Kirche selber. Nur in und durch Christus wird die Kirche zum Heilszeichen für die Welt.

Was finden Sie selbst für sich sehr heilsam?
Der innere Weg, den ich in den letzten Jahren immer mehr entdecken und vertiefen konnte.
Auf diesem inneren Weg habe ich Christus neu entdeckt wie auch viele Mystiker und Weisheitslehrer, weit über das Christentum hinaus. Ich bin unendlich dankbar für diesen inneren Weg, der sich mir vor allem durch meine Heiltätigkeit erschlossen hat.


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